Erste Bilder und Eindrücke aus Neuseeland - Nordinsel
- Simon Erni
- 28. März 2018
- 6 Min. Lesezeit
Liebe Freunde, Aktuell bin ich gerade in Wellington - der Hauptstadt von Neuseeland - und in einem McDonalds. Ich schlage mir gerade etwas die Zeit um die Ohren, weil ich hier (leider erst in ein paar Stunden) von Wellington per Fähre nach Picton überfahre und damit nach zwei Wochen Nordinsel jetzt auf die Südinsel von Neuseeland gehe. Darauf freue ich mich sehr. Hier zur Übersicht eine kleine Karte, damit Ihr Euch das etwas besser vorstellen könnt, wo ich aktuell bin und wo ich so war:

Die Nordinsel - McDonalds Land
Warum ich in einem McDonalds bin? Nun, McDonalds gibt es hier in jedem Kuhdorf, das "goldene M" ist hier omnipräsent (ich schätze es gibt hier mehr McDonalds als Kirchen). Und auch wenn ich kein Fan dieser "McDonalds-Überall-Kultur" bin, so erwische ich mich doch, dass auch ich mittlerweile regelmässig zu diesen McDonalds "pilgere", um mal wieder ein WhatsApp Call zu machen oder jetzt auch diesen Blog zu schreiben (denn McDonalds ist auch der einzige Ort, wo es kostenfreies und zuverlässiges Wifi gibt). Lokale Kaffes sind hier in Neuseeland leider am aussterben wie es mir scheint und falls es in einem Dorf auch mal ein solches hat - neben McDonalds und Subway - ist dieses um 6 Uhr Abends meistens auch schon geschlossen. Schade... Kulturell gesehen habe ich auf jeden Fall schon bessere Länder besucht.
Highlights von der Nordinsel Neuseelands
Ich möchte hier kein Geheimnis machen: Das Landesinnere der Nordinsel hat mich nicht umgehauen, es besteht - abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen - aus immer gleich aussehenden Dörfern (immer mit McDonalds und Subway überall) und die in Reiseführern angepriesenen "Touristenattraktionen" sind (im Vergleich zur Natur an der Küste) einfach oft keinen Besuch wert und meistens auch völlig überteuert (79 NZD / 65 Franken für den Eintritt in das "Hobbit-Dorf"? Nein danke...).
Anyway: So sehr ich auch vom Landesinneren hier von der Nordinsel enttäuscht war, so hat mir die Küste doch sehr gut gefallen. Hier ein paar persönliche Highlights und "Geheimtipps", falls du selbst mal nach Neuseeland gehst:
Viele schöne Leuchttürme, meistens umgeben von einer noch authentischen Natur
Da ich hier (analog zu Island) mit einem 4x4 unterwegs bin und im Auto auch schlafe, habe ich die vollkommene Freiheit, an fast jedem Ort übernachten zu können und daher auch weit entfernte Küstengebiete zu entdecken. Genau das habe ich gemacht und alle Leuchttürme auf der ganzen Nordinsel besucht (u.a. Cape Reinga am nördlichsten Punkt, East Cape am östlichsten Punkt, Cape Egmont am westlichsten Punkt und Cape Palliser am südlichsten Punkt). Die "Lighthouses" haben mir sehr gut gefallen, gehören Leuchttürme doch zu meinen fotografischen Lieblingsmotiven:

Lighthouse beim Cape Palliser (Weitere Fotos jetzt im Portfolio)
Die Leuchttürme sind Orte, wo es nur ganz wenige Touristen hin verschlägt, da diese doch sehr weit draussen an der Küste liegen - genau da ist die Natur von Neuseelands Nordinsel aber noch wirklich authentisch.
Coromandel Peninsula - Mein klarer Lieblingsort auf der Nordinsel
Besonderes gefallen hat mir die Coromandel Peninsula. Hier (und im Gegensatz leider zu vielen Gebieten hier auf der Nordinsel) ist die Natur noch Natur. Die Coromandel Peninsula liegt im Osten und für die Entdeckung dieser Insel ist ein 4x4 zu empfehlen (viele Schotterstrassen, enge Küstentracks, genau das was ich liebe). Auf der Coromandel Peninsula gibt es auch keinen(!) McDonalds, sondern noch viel Kultur und Natur. Hier sind auch mehr als die Hälfte meiner Fotos entstanden, die jetzt in der Rubrik "Portfolio" hochgeladen sind.

Cathedral Cove auf der Coromandel Peninsula

Schöne Abendstimmung auf der Peninsula
Und neben einigen tollen Landschaftsmotiven wollte es der Zufall, dass eine sehr "charmante" kleine Schafsfamilie gleich noch fürs Familienfoto posiert hat:

90 Mile Beach und Bay of Islands - Ja das muss Mann gesehen (und gefahren) haben
Nun, vielleicht war ich zuvor etwas "zu hart", was die Touristenattraktionen anbelangt. Ich spreche hier vor allem von den Touristenattraktionen, für welche man bezahlen muss. Denn was wirklich "cool" ist, ist die Bay of Islands (siehe Karte) und v.a. auch die "90 Mile Beach". Die "90 Mile Beach" ist ein Strand, den man per Auto abfahren darf und auch kann - sofern man weiss, wie man da etwas Auto fahren sollte, einen 4x4 und auch die "Erlaubnis vom Autovermieter" hat. Viele Autos bleiben da auch mal im Sand stecken, was dann wohl eher ärgerlich ist... Ich auf jeden Fall wollte mir diesen Spass nicht entgehen lassen und bin dann auch fast die ganze 90 Mile Beach abgefahren (hat in Wirklichkeit nicht wirklich 90 Meilen!)

Muss Mann gemacht haben in Neuseeland: Drive am 90Mile Beach
Geheimtipp #1: McLaren Falls Park bei Tauranga
Nun, auch war ich vielleicht etwas zu hart, dass es im Landesinneren nur wenig Interessantes zu sehen gibt (ich spreche hier v.a. von dem, was man so in den üblichen Touristenführern liest). Denn zumindest eine Ausnahme gibt es: Den völlig unbekannten "McLaren Falls Park". Wie ich dazu gekommen bin, diesen zu besuchen? Nun sagen wir mal, das war eher Zufall, ich habe mich vom Auto ausgeschlossen, dann etwas Hilfe gebraucht und da den Park-Ranger Graham kennenglernt, der mich dann in diesen Park eingeladen hat... (Exklusiven Einblick in die volle "Story" gerne für jeden dann einmal bei einem Bier, ja es war ein aufregendes und am Ende lustiges Erlebnis...).
Der McLaren Falls Park findet man in keinem Touristenführer, es gibt da auch nahezu keine Touristen, aber vor allem viel Natur (kleine Flüsse, Teiche, Seen) und vor allem etwas ganz Besonderes: Schwarze Schwäne! Ich habe schon ganz vergessen, dass es solche gibt und dann in diesem Park... WOW !

Black Swan
Und auch die "Falls", die dem Park den Namen geben, sind eindrücklich:

McLaren Falls
Geheimtipp #2: Forgotten World Highway in der Nacht
Als bekennender Fan von Natur, wo wenig Touristen sind und "Lighthouse-Freak" habe ich einige Strecken im Ladesinneren (bei welchen ich mir wenig versprochen habe) auch bei Nacht gemacht. Auf dem Weg zum Cape Egmont Lighthouse wollte ich von "Taumaruini" nach "Stratford" fahren und bin dann einem Schild begegnet: "FORGOTTEN WORLD HIGHWAY (43) BEGINS NOW".
Okay, dachte ich mir, der Name klingt ja "vielversprechend...". Auf den kommenden 150 km habe ich dann auch festgestellt, warum dieser Highway so heisst: Die Strasse ist meistens so eng, dass man kaum kreuzen kann, mit tausenden Haarnadelkurven versehen und (zumindest bei Nacht) begegnet man nahezu alle 1000 Meter einem Hasen, Igel, Kiwi-Vogel oder Marder, der im Scheinwerferlicht oft kreuz und quer über die Strasse rennt. Es gilt ausserdem, ein paar "Erdlöcher" zu durchqueren (eigentlich Erdtunnels, wo aber kein Camper durchpasst). Nun, ja das war sehr abenteuerlich - für mich persönlich ein klares Highlight im Vergleich zu den ansonsten doch fast schon langweiligen Teerstrassen hier. Für alle, die Ihrem Neuseeland Urlaub etwas "Pfiff" geben möchten und die Fahrschule nicht gerade erst gestern "erfolgreich abgeschlossen haben", kann ich dies sehr empfehlen. Empfehle aber, diesen wie ich bei Nacht zu fahren, ist wohl einfacher als am Tag (wegen dem Kreuzen und "Vorschau" aufgrund Licht...).
Hier ein Schild, kurz vor dem Ziel dann (ja die Strasse ist genauso mystisch und abenteuerlich wie dieses Schild):

Geheimtipp #3: "Unbekannte" Glowworm Cave Höhle bei Kawakawa
Wer durch die "typischen" Neuseelandreiseführer blättert, wird herausfinden, dass man in Neuseeland "Glühwürmer" sehen kann, und zwar massenweise. Leider wird da nahezu ausschliesslich die "Waitomo Glowworm Cave" genannt. Ein Eintritt da kostet 70 NZD (!!) und jeder 0815 Tourist geht auch da hin. Zu meinem Glück habe ich einen Einheimischen getroffen, der mich rechtzeitig davor bewahrt hat, diesen Touristenmassenauflauf zu besuchen und stattdessen die Glowworm Cave bei Kawakawa zu besuchen (30 NZD), die von einer Familie betreut wird und doch immerhin (ja ich war da) 10'000 Glühwürmchen beheimatet (Super, sieht in der Höhle aus wie der Sternenhimmel). Ein tolles Erlebnis, insbesondere da ich diese Tour in einer Gruppe von nur sechs Personen machen durfte und dabei mit allem versorgt wurde, was es über Glühwürmchen so zu wissen gibt. Ich bin jetzt Glühwürmchen-Experte und kann bei Bedarf selbst schwierige Fragen dazu jederzeit beantworten (haha).
Übrigens: Glühwürmchen leuchten um Futter wie Fliegen etc. anzulocken, sie "fangen" diese mit "Fischerleinen" (ähnlich wie die Spinnennetze, aber ohne Netze) und je heller ein Glühwürmchen leuchtet, desto hungriger ist es. Und rund 86% der weltweiten Glühwürmchen-Population lebt in Neuseeland.
Fazit Neuseelands Nordinsel
Was ich oben beschrieben habe, war ein kleiner Ausschnitt aus mir besonders bleibenden Erinnerungen hier. Ich habe einen doch grossen Teil der Nordinsel gesehen und weiss auch jetzt nach zwei Wochen noch nicht so genau, was mein "Fazit der Nordinsel" sein soll... Vielleicht, dass die Nordinsel einige tolle Highlights bietet, sofern man weit raus an die Küste geht und die "grossen" teuren Touristenattraktionen meidet.

Auf dem Weg zum East Cape Lighthouse - super.
Mein Tipp: Besuche die Lighthouses, da und in der umliegenden Natur findest Du noch ein authentisches Nordinsel-Neuseeland - falls du lieber McDonalds und Subway sehen willst so oft es geht, verbringe möglichst viele Zeit im Landesinneren.
Alles in allem erinnert mich Neuseelands Nordinsel (rein landschaftlich gesehen) irgendwie an Irland, wo ich im vergangenen Mai war: Mehrheitlich flache, grüne Landschaften, schöne Küsten, keine Berge, schöne Strände, viele kleine Dörfer. Im Gegensatz zu Irland (Das sowohl landschaftlich als auch kulturell eines der besten Länder war, welches ich je bereist habe!) herrscht hier Abends aber keine lokale Pub- und Kulturatmosphäre, sondern "tote Hose" und flächendeckender McDonals-Wahnsinn. Der "Charme von authentischen Küstenstrassen" fehlt hier abgesehen von einigen wenigen Orten (Coromandel) ebenfalls. Die Menschen, die mir hier in Neuseeland bis anhin begegnet sind, sind freundlich und sachlich, nicht aber "herzlich" und "warm" (ganz abgesehen von Irland: SUPER LEUTE !!!). Eine grossartige Kultur oder ein Lifestyle, den ich für erstrebenswert halte, konnte ich hier in Neuseeland bisher (leider) nicht entdecken.
Auch wenn mich die Nordinsel "nicht umgehauen" hat, habe ich hier ein paar sehr schöne Erlebnisse machen dürfen und auch ein paar einzigartige Bilder. Ich freue mich nun aber auch sehr auf die Südinsel, die doch noch einmal komplett anders sein soll (Berge, Fjorde etc.).
BIS BALD
Gruss / Aloha / Hello / Viele Umarmungen
Euer Simon
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